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Autor: Jürgen Bartl

Frames - Segen oder Fluch?

Meine hier dargestellte Empfehlung ist sicherlich in erster Linie aus technischer Sicht und der Warte guter Usablity von Websites zu sehen. Frames können designtechnisch Sinn machen, einfach aus ästhetischen Gründen erwünscht sein oder experimentell interessant wirken. Dennoch gehen eine ganze Reihe von Nachteilen mit dem Einsatz einher, die ich Ihnen hier im Detail erläutern möchte:

Vorteile von Frames

Mit Frames lässt sich die Bildfläche in völlig unabhänige Bereiche einteilen, wodurch z. B. die Navigationsleiste beim Scrollen durch den Contentbereich ständig sichtbar ist. Damit kann auf Navigationselemente einfacher und schneller zugegriffen werden und die Übersichtlichkeit wird verbessert.
Designvorstellungen können einfach umgesetzt werden, die ohne Frames nicht oder nur mit hohem Aufwand realisierbar sind. Beispiele sind querscrollbare Seiten, Bildleisten mit "Vergrößerungsfunktion" o. Ä.
Teile der Seite müssen nicht neu geladen werden. Dieses Argument hinkt jedoch, da einerseits alle gängigen Browser über einen Festplattencache verfügen, wodurch bereits geladene Grafiken nicht mehr übertragen werden müssen, andererseits auch bei Frameseiten die Navigation neu geladen werden sollte, wenn man auf Navigationen verzichtet, die Javascript erfordern. Aktive Rubriken werden sonst nicht gekennzeichnet. Die Ladezeit ist daher kein Argument mehr für Frames.

Nachteile von Frames

Besucherverlust duch Suchmaschinen. Frames sind durch Suchmaschinen zwar mit ein paar Tricks zu indizieren, aber es bleibt immer ein Rest an Problemen, die man ohne Frames nicht hätte. Framelose Seiten können in jedem Fall suchmaschinenfreundlicher umgesetzt werden und bieten weniger Angriffspunkte für falsche oder fehlende Indizierung einzelner Seiten.
Kein Bookmarken von Unterseiten. Standardmäßig wird nur das Frameset in den Bookmarks gespeichert. Auch dafür gibt es Workarounds, die jedoch ebenfalls mit einem Mehraufwand in der Entwicklung und mit dem Nachladen aller Frames verbunden sind.
Gleichbleibender Seitentitel. Nicht nur für die Usability sondern auch für das Suchmaschinenranking ein Nachteil.
Keine Deeplinks von anderen Seiten möglich. Resultierend daraus kann man einen Besucherverlust erwarten, da Deeplinks eine der wichtigsten Eigenschaften im Netz sind.
Das Druckproblem. Das Ausdrucken von kompletten Seiten oder auch Einzelframes ist unmöglich oder stellt eine Hürde für die Besucher dar.
Frames ohne Navigation als Suchergebnis. Werden Einzelframes von Suchmaschinen gefunden, fehlt in diesen die zugehörige Navigation bzw. noch weitere Frames. Hier kann mit einem Javascript das Frameset nachgeladen werden. Bei komplexeren Seitenstrukturen wird dies jedoch zu einem sehr großen Aufwand, da jeder Seite ihr speziell zugehöriges Frameset mit "auf die Reise" gegeben werden muss, um das richtige Frameset nachladen zu können.
Das Zurück-Button Problem: werden mit einem Klick auf die Navigation zwei oder mehr Frames gewechselt, funktionieren die Zurück-Buttons im Browser des Besuchers nicht mehr korrekt. Es wird somit nur der zuletzt ausgewechselte Frame neu geladen und z. B. die Contentseite bleibt bestehen. Die neueren Opera-Browser können damit umgehen, die meisten anderen Browser sind. In den Griff bekommt man dieses Problem nur mit massivem Einsatz von Javascript oder dem Neuladen des Framesets mit jedem Klick. Der Einsatz von Javascript vermindert wiederrum die Browserkompatibilität und Zuverlässigkeit der Website.
Höherer Entwicklungsaufwand: durch die obig beschriebenen Probleme und deren Workarounds entsteht ein höherer Entwicklungsaufwand als bei tabellenbasierten Sites, die mit Vorlagen oder serverseitigen Templates entwickelt werden. Auch durch die größere Anzahl an Dateien durch verschiedene Navigationsseiten, etc. Das bezieht sich allerdings nur auf große Sites, bei denen jeweils mehr als nur ein Frame gewechselt wird.
Mobile Internet. Viele mobile Geräte (GPRS, UMTS-Plattformen o. Ä.) haben keinen framefähigen Browser und können daher Frameseiten auch nicht darstellen. In Zukunft wird dieser Markt immer wichtiger werden.
Webstandards. Ab xhtml 1.1 sind Frames nicht mehr standardkonform. Also eine auslaufende Technologie, die jedoch mit Sicherheit von den nächstfolgenden Browsergenerationen unterstützt werden wird.

Fazit

Die oben beschriebene Liste beansprucht keine Vollständigkeit. Dennoch denke ich, sprechen die Argumente eine deutliche Sprache. Fast alle informationsvermittelnden Seiten, die auf Suchmaschinen angewiesen sind, verzichten deshalb auf Frames.

Ausgehend von komplexen Sitestrukturen ist die Entwicklung mit einer auf jeder Seite präsenten Navigationsleiste mit modernen Methoden wie den Vorlagenfunktionen von Dreamweaver oder bei dynamischen Seiten mit serverseitig eingebundenen Navigationen in Summe schneller und daher auch kostengünstiger realisierbar.

Wenn es das Design erfordert und die Site nicht auf hohe Besucherzahlen und Suchmaschinenergebnisse angewiesen ist bzw. kaum oder keinen Text enthält, kann man den Einsatz aus Designgründen in Erwägung ziehen. Ansonsten empfehle ich in den meisten Fällen aus oben beschriebenen Gründen, auf Frames zu verzichten.

Das selbe gilt im übrigen für Iframes. Die hier noch zusätzlich auftretende Browserproblematik ist mittlerweile vernachlässigbar, alle anderen Kriterien treffen auf die eingebetteten Frames jedoch ebenso zu.

Ausnahme: Anders ist die Situation bei Softwareanwendungen im Web, Backends von Content Management Systemen oder im Intranet. In diesen Fällen können Frames sinnvoll eingesetzt werden.


Letzte Änderung:  9. April 2005